Gertrud Bachenheimer, geb. Katz

Geb. 14. April 1907 in Gießen

Gest: Ort und Datum nicht bekannt. Sie wurde am 30. Sept. 1942 ab Darmstadt zusammen mit ihrem Mann Dr. Wilhelm Bachenheimer deportiert. Ziel des Zuges in der Transportliste angegeben mit "Generalgouvernement", in der Literatur mit "vermutlich Treblinka" angegeben.

Ihre Eltern waren Louis Katz, geb. 20.07.1876 in Gießen, Kaufmann, und Anna Katz, geb. Cohn, geb. 10.06.1883 in Paderborn. Beide wurden im gleichen Zug wie Tochter Gertrud und Schwiegersohn Wilhelm deportiert.

Gertrud war das einzige Kind ihrer Eltern.

Gertrud ist im Schuljahr 1922/23 im Klassenbuch des Höheren Mädchenschule zu Gießen verzeichnet, mit der Adresse Landgrafenstr. 14, und Ende der Schulzeit Ostern 1923.

Adressen in Gießen: (bei den Eltern:) Landgrafenstr. 14 (Adresse der Eltern 1907 sowie im Klassenbuch Schuljahr 1922/23), Bahnhofstr. 14, (verheiratet:) Schillerstr. 17, Walltorstr. 48

Vater Louis Katz war Briefmarkenhändler, und Versicherungsagent.

Eine berufliche Bildung ist nicht bekannt, sie widmete sich Kunst, Literatur und Musik, zählte auch zum Freundeskreis um Helene Roese. Gertrud hatte vor, dem nach USA emigrierten Verlobten folgen. Eine Freundin schmuggelte wertvolle Briefmarken nach Paris, deren Erlös dem Verlobten zukommen sollte.

Zur Ausreise kommt es nicht mehr. Ab 23. Okt. 1941 haben Juden Ausreiseverbot. "Aus Liebe und Treue zum kranken Vater bleibt sie in Gießen" beschreibt eine gute Freundin.

Sie heiratete Dr. Wilhelm Bachenheimer, geb. 15.2.1901 in Zweibrücken, Doktor der Oekonomie. Gertrud zog zu ihm in die Schillerstr. 17.

Die letzte Adresse des Ehepaares ist "Walltorstr. 48", (eines der sogenannten Getto-Häuser).

Für Gertrud Bachenheimer beginnt der Weg in die Vertreibung und Vernichtung endgültig Mitte September 1942: in der Goetheschule Gießen, die nach behördlicher Anordnung zum Sammellager für ca. 330 Personen aus Stadt und Kreis Gießen vom 12. bis 17.9.1942 umfunktioniert wird. Vom erzwungenen Marsch zum Güterbahnhof ist an anderer Stelle nach zu lesen. In Darmstadt werden die letzten oberhessischen Juden und Jüdinnen in das Sammellager Justus-Liebig-Schule in der Nähe des Hauptbahnhofs getrieben.

Der Deportationszug Da 84, Abfahrt am 30. Sept. 1942 ab Darmstadt transportiert insgesamt 883 Juden aus dem Volksstaat Hessen. Im "Namentlichen Verzeichnis" der Gestapo Darmstadt vom 30. Sept. 1942 wird der Weg in die Vernichtung verschleiert mit der Überschrift "Wohnsitzverlegung nach dem Generalgouvernement".

Das Deportationsziel ist ebenso unbekannt wie das weitere Schicksal. In der Gesamtdeportations-liste aus dem Reich wird das Ziel mit "vermutl. Treblinka" an gegeben.