Dr. Wilhelm Bachenheimer

Dr. Wilhelm Bachenheimer, geboren am 15.02.1901 in Zweibrücken als Sohn des Lehrers und Kantors der Jüdischen Gemeinde, Max Bachenheimer. Bachenheimer studierte in Frankfurt, wo die Familie Verwandte im Bankgewerbe hatte, Volkswirtschaft und promovierte 1930 mit dem Thema "Das Devisenleihgeschäft in Deutschland nach dem Kriege". Als sein Vater Max Bachenheimer 1929 in zweiter Ehe die Witwe des Kaufmanns und Zigarrenhändlers Meier Wolf heiratete, hinter der sich niemand anderes als die Tochter des Giessener Bankiers Jakob Grünewald, Olga geborene Grünewald, verbarg, zogen die Bachenheimers Anfang der dreißiger Jahre nach Gießen, in die Schillerstraße. Gegenüber befand sich die Zigarrenfabrik Barnaß/Hammerschlag, auch in der Nachbarschaft wohnten etliche andere jüdische Familien. Wilhelm Bachenheimer betätigte sich als Wirtschaftstreuhänder, Steuerberater und Vermögensverwalter.

1931 starb Max Bachenheimer, der unverheiratete Wilhelm Bachenheimer kümmerte sich um die verwitwete Stiefmutter. Als diese 1937 starb, war es für eine Auswanderung fast zu spät. Unklar bleibt, ob Wilhelm Bachenheimer nach dem Pogrom 1938 nach Buchenwald verschleppt wurde oder ob er als Vermögensverwalter von der Gestapo und den Finanzbehörden bei der Ausplünderung auch der Giessener Juden gebraucht wurde. In den Jahren vor der Deportation war der Gang zum Gebäude in der Neuen Bäue und in das Finanzamt fast ein täglicher.

Am 24. Juli 1940 heiratete er die Tochter des Giessener Kaufmanns Louis Katz, Gertrud. Als Bürohilfe ihres Mannes hatte sie Einblick in die Verfolgungsmaschinerie, und als Wilhelm Bachenheimer und seine Frau Gertrud im September 1942 den Zug ins Generalgouvernement betraten, möchten sie vielleicht am ehesten geahnt haben, was sie erwarten würde. Das Ehepaar Bachenheimer starb vermutlich in Treblinka oder einem der anderen Vernichtungslager in Polen; zwischen dem Besteigen des Zuges in Darmstadt und dem Tod lagen vermutlich nur wenige Tage. Beide hatten keine Kinder oder nahe überlebende Verwandte.