Hedwig Burgheim

Hedwig Burgheim, geb. 28. August 1887 in Alsleben, Saale; ermordet 27. Februar 1943 in Auschwitz.

Ihre Eltern waren Martin Burgheim Kaufmann und Caroline, geb. Bucky Sie hatte zwei Schwestern: Dorothea, geb. 1885, und Martha, geb. 1889.

Adressen


Fröbelseminar - Vorkriegshaus Gartenstraße 30 - "Ansicht nach dem Schiffenberger Weg"

Die junge Familie Burgheim zieht 1889 nach Leipzig. Dort hatten die Großeltern Bucky ein Textilgeschäft.

Hedwig besucht die Höhere Schule, und macht danach eine einjährige kaufmännische Ausbildung. Zugleich bildet sie sich privat weiter durch den Besuch wissenschaftlicher Kurse und Vorlesungen, sowie Französisch und Italienisch.

Ab Okt. 1908 ist sie als Gouvernante bei Kommerzienrat Bernhard Meyer, Verlagsbuchhändler, für dessen zwei Töchter tätig.

1911 wird auf Betreiben von Henriette Goldschmidt die Hochschule für Frauen in Leipzig eröffnet. Hedwig Burgheim ergreift die Chance und schreibt sich für das Studienfach Pädagogik ein. Mit dem Abschluss ist sie berechtigt, selbständig Kindergärtnerinnen aus zu bilden. Außerdem hat sie die Qualifikation, als Berufsschullehrerin zu arbeiten. Neben der Tätigkeit zur Ausbildung von Kinderpflegerinnen hört sie Vorlesungen an der Uni Leipzig in Pädagogik, Psychologie und Volkswirtschaftslehre.

Im Sommer 1916 lehrt sie kurze Zeit an einer Schule an einer Schule in Grünheide (Brandenburg). Im April 1918 kommt sie als Pädagogin nach Gießen an das Fröbel-Seminar. Von 1920 bis 1933 ist sie Leiterin des Fröbel-Seminars.

Am 1. April 1921 übernimmt der Gießener Alice-Schulverein für Frauenbildung und Frauenerwerb das Fröbel-Seminar. Hedwig Burgheim bleibt Leiterin des Seminars. Sie baut die Einrichtung aus: eine Haushaltsschule, ein Lehrerinnenseminar für Kindergärtnerinnen, drei Kindergärten sowie zwei Kinderhorte kommen unter ihre Leitung.

In ihrer Zeit in Gießen hat sie ca. 800 junge Frauen zu Kindergärtnerinnen aus gebildet; und ungezählte Kindergartenkinder erfuhren eine nachhaltige Prägung.


Hedwig Burgheim kurz nach dem November-Pogrom 1938

1933, nach fünfzehn Jahren anerkannter Tätigkeit in Gießen wird sie aufgrund des "Gesetzes vom 7. April 1933 zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" zwangspensioniert. Ihr "Ruhegehalt" mit 46 Jahren beträgt 45 % des früheren Einkommens. Sie muss ihre Wohnung Gartenstr. 30 verlassen. Sie zieht zu ihrer Kollegin und Freundin Frau Mayer, geb. Schmalbach, nach Wieseck. .

In Gießen ist ihr jeder berufliche Neubeginn verwehrt. Sie knüpft noch von Gießen aus berufsbezogene Kontakte in Leipzig. Die familiären Beziehungen zur verwitweten Mutter, der jüngeren Schwester sowie Nichte und Neffe erleichtern die Rückkehr nach Leipzig.

Die Israelitische Religionsgemeinde Leipzig eröffnet 1936 eine Haushaltungsschule und betraut Hedwig Burgheim mit deren Aufbau und Leitung. Es war die einzige schulische hauswirtschaftliche Ausbildung für jüdische Mädchen im gesamten mitteldeutschen Raum. Die Aufbauphase ist mühsam, aber erfolgreich. Während der Pogrome vom 09.11.1938 wird die Schule total zerstört.

Hedwig Burgheim kauft Lebensversicherungen zurück, und bemüht sich um Ausreise nach USA. Vergeblich.

Der Israelitische Schulverein holt sie im Frühjahr 1939 an die Carlebachschule, die jüdische Schule in Leipzig. Ab 1. Okt. 1939 untersteht die Schule der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Sie wird zum 30. Juni 1942 wie alle jüdischen Schulen geschlossen. Hedwig Burgheim ist 1939 auch im Vorstand des jüdischen Kindergartens aktiv, wird im Sommer 1939 dessen Vorsitzende. Auf Anordnung der Gestapo muss sie den Kindergartenverein auf lösen.

Im Februar 1942 wird Hedwig Burgheim die Leitung des jüdischen Altersheims (zugleich Judenhaus) in Leipzig (die bisherige Leiterin war im Januar 1942 nach Riga deportiert worden). Auf der Deportationsliste für den 17. Febr. 1943 muss sie ihren eigenen Namen lesen. Die Leipziger und Dresdener Juden wurden zunächst nach Berlin in das Sammellager Große Hamburger Straße verschleppt. Am 26. Febr. 1943 fuhr der Zug ab und erreichte am 27. Febr. das Vernichtungslager Auschwitz. Die Menschen mussten ihre restlichen Habe ab geben und wurden sofort ermordet.

Aus der Familie überlebte als einziger Hedwig Burgheims Neffe Rolf Kralovitz, er war in Buchenwald.

Gedenken an Hedwig Burgheim in Gießen:

Literatur

Links

Spende: Aliceschule Gießen
Spurensuche und Text: Monika Graulich