Werner Guido Josef Herz

Werner Guido Josef Herz, geboren am 5. Juli 1925 in Gießen, Sohn von Moritz Herz und Hanna Herz geb. Meyer, Bruder von Lotte Herz

Adressen in Gießen: Neuen Bäue 23, Wilhelmstr. 10 (Juni 1940), Frankfurter Str. 11 (8. Nov. 1941), Walltorstr. 42 (4. Febr. 1942)

Lebensspuren:

Werner Herz besuchte zunächst die Städtische Knabenschule (die alte Pestalozzischule) an der Nordanlage (heute befindet sich dort die Max-Weber-Schule). Sein damaliger Klassenkamerad Richard Wagner ist der einzige Zeitzeuge, der sich noch an ihn erinnern kann. Nach der Grundschule besuchte Werner Herz das Realgymnasium in der Ludwigstraße (heute Liebig-Gymnasium), das er kurz nach der Pogromnacht wieder verlassen musste. Sein Abgangszeugnis weist ihn als guten Schüler aus. Werner besuchte ab 1. Februar 1939 das Philanthropin in Frankfurt, eine jüdischen Schule, die am 1. April 1941 von den Nazis geschlossen wurde.

Nach Schließung des Philanthropins arbeitete Werner aus Not als Hilfsarbeiter (Holzschäler).

Schon vor dem Novemberpogrom bemüht sich der Vater von Werner Herz, der Bankier Moritz Herz, verzweifelt um eine Auswanderung für seinen Sohn nach England. Er korrespondiert unermüdlich mit englischen Schulen und Hilfskomitees, um seinen Sohn zu retten. Im September 1939 erfährt er schriftlich, dass alle Bemühungen gescheitert sind. Werners Klassenkamerad sieht ihn nur noch einmal mit seinem Vater und anderen Gießener Juden, und zwar bei einer Aktion der Gestapo, die uns der Gießener Schriftsteller Georg Edward geb. Geilfus, in seinen Tagebüchern überliefert hat:

"1940: 10. Februar (Sa) – Nachmittags besuchte mich Helmuth Bock in großer Aufregung: Die Geheime Staatspolizei in Gießen hat einen neuen Kommissar erhalten, einen von Hitlers Totenkopf - SS-Männern, einen brutalen Burschen niedrigster Sorte.. Er lässt jetzt die Juden, alte und junge, das mit dickem Eis bedeckte Gebiet rings um das Theatergebäude reinigen und steht dabei auf dem Balkon des benachbarten Polizeigebäudes mit seinem Opernglas, um zu beobachten, ob sie auch wirklich arbeiten" (in: Georg Edward 1869-1969. Dokumente einer langen, konfliktreichen Lebensreise, CD, hrsg. von Hans-Joachim Weimann und Brigitte Hauschild, Gießen 2004).

Im Juni 1940 muss Familie Herz ihr Haus verlassen und zwangsweise in die Wilhelmstr. 10 umziehen. Die Gestapo hat sich das Haus Neuen Bäue 23 bereits vorher angeeignet und richtet im Keller des ehemaligen Bankhauses einen Folterkeller ein.

Im November 1941 muss die Familie Herz erneut umziehen: diesmal in die Frankfurter Str. 11 zu Familie Austerlitz, die dort eine Weinhandlung betrieben hatte. Im Februar 1942 beginnt die Ghettoisierung der Gießener Juden: alle werden zwangsweise in sogenannte Judenhäuser umgesiedelt, die Familie Herz in die Walltorstr. 42.

Am 14. September 1942 werden Werner, seine Schwester und sein Vater Moritz Herz wie die anderen 150 noch in Gießen lebenden Juden von der Gestapo aus ihren Wohnungen geholt und in die Goetheschule an der Westanlage gebracht. Zwei Tage später werden alle in einen Güterzug verladen.

Der Zug mit den Gießener Juden steht eine Nacht auf dem Güterbahnhof und fährt dann nach Darmstadt. Nach etwa zwei Wochen wird Familie Herz mit 880 anderen Juden aus Hessen in das Vernichtungslager Treblinka transportiert. Auf der Steuerkartei von Werner steht dafür: "verzogen am: 20.10.42 nach: unbekannt". Nach 1945 wird auf diese Kartei eingetragen: "gestorben am 8.Mai 1945 Todeserklärung d. A. G. Gießen v. 27.9.1949" (Stadtarchiv Gießen).

Leider ist es uns – der Patengruppe – nicht gelungen, Bilder von Werner Guido Josef Herz ausfindig zu machen.