Heinrich Will


Heinrich Will 1942

Heinrich Will wurde am 27. August 1895 in Treis/Lumda als ältester Sohn eines Landwirts geboren. Nach dem Besuch der Volksschule, erlangte er in Gießen die mittlere Reife. Schon als Jugendlicher war ein begabter Zeichner. 1914 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und durch einen Giftgasangriff schwer verwundet.

Erst 1920, zwei Jahre nach Kriegsende konnte er aus dem Lazarett entlassen werden und kehrte nach Treis zurück. Durch seine schwere Erkrankung, war es ihm als ältestem Sohn nicht möglich, den Hof zu übernehmen. Er konnte als Stipendiat an der Städelschule in Frankfurt/M. noch im gleichen Jahr ein Kunststudium aufnehmen und besuchte ab 1925 die Kunstakademie in Düsseldorf. 1926 wurde er in die Meisterklasse für figürliche Malerei bei Prof. Josef Jungwirth an der Wiener Akademie aufgenommen, wo er sein Studium 1927 beendete. Während dieser Zeit in Wien lernte er seine spätere Frau Elisabeth Klein kennen. Nach seiner Studienreise nach Italien hält er 1929 um die hand von Elisabeth an und 1930 heiratet er sie in Wien.

Er sucht eine Wohnung in Gießen und sie ziehen beide in die Moltkestraße, wo er auch sein Atelier hat.

Er beschäftigt sich in erster Linie mit Landschaftsgemälden der oberhessischen Umgebung sowie Auftrag-Porträts. Mit diesen Arbeiten und dank finanzieller Unterstützung durch seinen Schwiegervater, kann er ihren Lebensunterhalt einigermaßen sichern.

Nie in der demokratischen Ordnung der Weimarer Republik heimisch geworden, trat er 1933 dem „Kampfbund für deutsche Kultur“ bei und wird noch im gleichen Jahr zum Bezirksleiter Oberhessen des „Reichskartells der bildenden Künste ernannt. Aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin und der „Nürnberger Rassengesetze“ wurde er aus seinen Ämtern entlassen und aus der Reichskammer ausgeschlossen. Dadurch durfte er seine Bilder in öffentlichen Ausstellungen nicht mehr zeigen. Dies war nur Mitgliedern der Reichskulturkammer gestattet. Dies führte in der Folgezeit zum Verlust der finanziellen Lebensgrundlage und sie zogen sich aus der Öffentlichkeit zurück, da auch ab 1938 die Repressionen gegen seine Frau immer stärker wurden.


Hinrichtungsraum

Ab dem Frühjahr nahmen er und seine Frau an der losen Diskussionsrunde, dem so genannten „Freitagskränzchen“ bei Dr. Alfred Kaufmann in dessen Wohnung teil. Anläßlich dieser Treffen wurden regelmäßig sog. „Feindsender“ gehört, über das Gehörte diskutiert und das NS-Regime heftig kritisiert. Durch den Verrat einer eingeschleusten Gestapo-Agentin wurden sie zusammen mit anderen am Abend des 6. Februars 1942 verhaftet und im Gestapogefängnis in der Neuen Bäue verhört. Dann nach Darmstadt abtransportiert und dort am 20./21.1942 vom Volksgerichtshof zusammen mit Dr. Kaufmann zum Tode verurteilt. Am Abend des 19. Februar 1943 stirbt Heinrich Will unter dem Fallbeil in der Strafanstalt Frankfurt-Preungesheim.

Der ebenfalls mitverhaftete Pfarrer Steiner wurde noch während der Gestapo-Haft im März 1942 ermordet.

Spende für Heinrich Will: Dr. Ursa Baur-Weigand
Spurensuche: Peter Herold