Gedenkveranstaltung im Hof der Goetheschule am 12. Februar 2009

Die heutige Verlegung von Stolpersteinen zum ehrenden Gedenken an hiesige jüdische Opfer des Naziregimes, von denen nur 6 der im September 1942 insgesamt 330 Deportierten die Vernichtungslager überlebt haben, findet auf dem Hof der Gießener Goetheschule statt. Eine leicht übersehene Gedenktafel an der Außenfassade zur Westanlage erinnert an die bedrückende Rolle, die dieses Gebäude bei der Deportation so vieler Gießener jüdischer Bürger und von Juden aus der oberhessischen Umgebung gespielt hat.

Das alles hat sich kaum unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgespielt, denn:

Als offensichtlich einziges, weil aktenkundig gewordenes Problem im Zusammenhang mit der zwangsweisen Verschleppung ihrer Bürger sah die Stadt Gießen die Begleichung der ihr durch die sog. "Evakuierung der Juden" entstandenen Kosten an, weswegen sich der damalige Oberbürgermeister Dr. Hill schriftlich am 5. Oktober 1942 an die Außenstelle der Gestapo in der Neuen Bäue 23 mit folgender Bitte wandte:

"Anliegend übersende ich 3 Rechnungen über die durch die Bereitstellung eines Massenquartiers in der Goetheschule in Giessen entstandenen Kosten, und zwar:

  1. Stadtbauamt für Ausräumungsarbeiten usw. = 431,85 RM
  2. Goetheschule für Miete und Reinigung = 249,- RM
  3. Stadtwerke Giessen für Sonderfahrten = 147,30 RM

Ich bitte um Veranlassung der Überweisung der zu 1 und 2 genannten Beträge an die Stadtkasse Giessen und des zu 3 genannten Betrages an die Kasse der Stadtwerke Giessen."

Zu diesem Zeitpunkt waren die mit einem Transport am 30. September 1942 von Darmstadt aus in den besetzten Osten insgesamt 883 deportierten Juden aus dem Volksstaat Hessen bereits wahrscheinlich in Treblinka umgebracht worden. In der handschriftlich ausgefertigten Aufstellung der Stadtverwaltung Gießen findet sich für sämtliche von der Goetheschule aus Deportierten lediglich der Vermerk "verzogen nach unbekannt".